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Gedanken vor dem Kaminfeuer
Nun, es ist doch jedes Jahr das selbe mit dem Garten oder? Ob nun ein kleiner Garten oder ein großer, über bleibt doch im Prinzip immer was. Haben Sie sich mal Gedanken darüber gemacht, wie viel Menschen Sie davon noch ernähren könnten? Auch wir hatten dieses Jahr von allem zu viel (außer den Äpfeln). Und jedes Jahr stellt sich die Frage: Was bauen wir nächstes Jahr an? Von dem Gemüse soviel und von dem anderen Gemüse weniger. Egal was wir machen: Es kommt letztendlich das gleiche raus = Zuviel.
Wenn man das auf die Bauern übertragen würde dann frage ich mich, warum noch so viele Menschen hungern. Dies hat nicht immer mit ungleicher Verteilung zu tun, sondern z. B. auch damit, dass es immer weniger Menschen gibt, die im Gartenbau wie in der Landwirtschaft arbeiten möchten. So müssen wenige Bauern immer mehr produzieren, um immer mehr Menschen satt zu bekommen. Wie das ausgeht dürfte wohl jedem klar werden, der diesen Gedanken zu Ende führt. Also muss sich zwangsläufig was ändern.
Das könnte so aussehen: Wieder viele kleine Bauern, die regional und vielfältig anbauen. Nach den Motto: Was auf dem Boden wächst wird angebaut. Dies tun wir doch alle in unseren Gärten. Was nicht geht, das lassen wir halt. Trotzdem haben wir immer noch eine große Vielfalt an Obst und Gemüse. Regional kann soviel bedeuten. Nehmen wir z. B. meinen Tee. Er kann bei meinen Pflanzen gut wirken, bei einem andern aber nicht. Dort sind vielleicht Boden- und Luftverhältnisse anders und schon kann sich die Wirkung verändern oder sogar umkehren. Dies gilt für die Pflanzen genauso wie für die Bodenbearbeitung. Deshalb sollte jeder so arbeiten, wie es ihm es richtig erscheint. Die Erkenntnis kommt aus der Arbeit heraus. Ihre Arbeit reflektiert sich wie in einem Spiegelbild. Nehmen wir z. B. das Mulchen des Boden (das ist schon richtig IN, eine Modeerscheinung). Im Vordergrund stehen so Dinge wie Unkraut/Beikrautunterdrückung, Halten der Feuchtigkeit im Boden, Schonung des Bodens durch Wind, Sonne und Wasser...aber bei näherem Betrachten sieht es schon wieder anders aus. Wer sagt z. B. das der Boden nicht mal austrocknen darf, soll, muss? Mulchen bedeutet auch "ersticken". Dann leiden auch Bodenorganismen darunter, die mit der Mulchdecke gar nicht klar kommen. Oder das Auftreten von Pilzkrankheiten (durch den Zersetzungsprozess), Schädlinge, die sich im Mulchmaterial gut verstecken können. Achten Sie mal auf die Vögel, was die auf einem nackten Acker alles finden und rauspicken. Das finden sie nicht immer unter der Mulchdecke. Nehmen wir die Grüneindüngung im Winter. Sie "verbessert" die Bodenqualität, aber gleichzeitig schützt sie auch wieder die Schädlinge/Nützlinge, die sich dadrin verstecken. Warum soll ich dem Boden im Winter, obwohl eigentlich keine Wachstumsperiode ist, "quälen" und ihm noch Nährstoffe entziehen? Es gibt Pflanzen, die bringen auch einen Teil an Nährstoffen in den Boden zurück (z.B. Stickstoff). Warum darf der Frost nicht ungehindert in den Boden um z.B. Schnecken und deren Eier sowie andere Schädlinge zu töten? Seit 4Jahren baue ich in meinem Garten nach diesem Prinzip an. Keine Grüneindüngung, keine Mulchdecken, außer an den Erdbeeren und an den Baumscheiben. Alles wird nur über den Kompost geregelt. Ich lasse den Boden ruhen. Das hat er sich verdient. Sehen Sie, wenn Sie sich immer bei Kälte dick anziehen, werden Sie um so empfindlicher gegen Kälte. So verhält es sich auch mit der Sonne. Wenn Sie ihr immer aus dem Weg gehen und sich mit Sonnencreme schützen, wird Ihre Haut immer empfindlicher. Wenn Sie mal keine Sonnenmilch zur Hand haben, bekommen Sie wahrscheinlich schneller einen Sonnenbrand als Sie denken. Was hat man den Kinder früher gesagt und auch drauf geachtet? "Geht in den Schatten und zieht euch eine Mütze an." Was macht man heute mit ihnen? Man klatscht sie mit Creme von oben bis unten voll. Was dies alles mit dem Garten zu tun hat? Genau das selbe. Die Sonne muss in den Boden wie der Frost, das Wasser und der Wind. Die Elemente sollen in und an den Boden, um dort ihre Arbeit zu verrichten.
So ist es meines Erachtens wichtig, das man durch die tägliche Beobachtung des Gartens wie der Natur Erkenntnisse erlangt, die man direkt umsetzten kann. Dazu kommen natürlich auch die Niederlagen. Auch die versuchen wir positv zu bewerten und dann in unsere Arbeit mit einzubringen. Wie Sie ja wissen benutze ich fast gar keine Düngemittel, außer die, die mir durch meinen Garten zu Verfügung stehen. Kompost, Brennnesseljauche. Ich arbeite dies immer gut in den Boden ein. Bis jetzt kann ich keine Ertragsrückgänge feststellen. Heute versucht man alle Mittel irgendwie als Wundermittel darzustellen. Es sind aber keine und wir brauchen doch keine, oder? Warum müßen die Tomaten und Kürbisse noch größer werden? Oder die Kartoffeln immer dicker? Sicher, es ist schön, wenn man sagen kann: Boah, meine Tomate hat 1 Kg gewogen.
Aber es ist doch nicht das Ziel. Das Ziel, meine ich, ist es, gesunde Lebensmittel im Einklang mit der Natur anzubauen. Mit dem kleinstmöglichen Anteil an Zusätzen. Es ist nicht wichtig wie viel man hat oder wie groß, sondern das man mit eigen Hände Arbeit sein Essen anbaut. Es schmeckt nicht nur besser, es ist besser. Wir erhalten so auch unsere Mutter Erde. Respektieren und begegnen der Schöpfung so wie es sich gehört. Erhalten Wissen, wie Anbautechniken. Fördern regional unser Umfeld. Geben unseren Kinder das Wissen mit. Erhalten so auch alte Kultursorten. So schafft jeder von uns eine ökologische Insel. Und um so mehr wir werden, um so besser. Ich wünsche uns allen Glaube und Kraft immer weiter zu machen und dadurch auch viele Menschen mit unseren Gedanken anzustecken.
Denn es gibt eigentlich nur ein "Wunder": Das, was Gott erschaffen hat. Denn wenn wir ehrlich zu uns sind, verstehen wir bis heute nicht, wie das Leben seinen Lauf nimmt. Und wie immer wieder Natur und Tierreich zeigen, welche wunderbare Kraft der Erneuerung und Vielfalt in ihr steckt.
Ich möchte mich bei allen Lesern des Gartentagebuches für ihre Treue bedanken und hoffe, dass ich einige von Ihnen anstecken konnte.
In diesem Sinne, herzliche Grüße Fabio Angeli
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